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Romeo Lardi

LANDLÄUFIG WANDERFÜHRER, TATSÄCHLICH ABER VIEL MEHR...

Bevor wir, Wanderschuhe an den Füssen, uns miteinander auf den Weg machen, hiermit ein paar Worte zu meinem Job, so wie ich ihn verstehe, und ebensosehr wie ich ihn von allen Mitwanderern, meinen gegenwärtigen sowie den zukünftigen Gruppenwanderern, verstanden wissen möchte. Denn, genau besehen, ist eine Wanderung – in etwa vergleichbar mit einer Seilschaft (allerdings ohne Seil) – ein kleines Unternehmen mit mehreren Teilhabern, jedesmal ein neues, zeitlich beschränktes, mit bestimmtem Ziel und je eigenem Programm ausgestattet. Alle Teilhaber sind gleichzeitig Teilnehmer, jedem davon kommt seine persönliche Rolle zu. Wenn alle dabei am selben Strick ziehen, tragen sie entscheidend zum Gelingen der Wanderung bei.


Dies betrifft selbstverständlich auch meinen Job beim gemeinsamen Unternehmen. Die Aufgaben, die ich dabei übernehme, kann man mit drei Stichworten umschreiben: landläufig als sogenannter „Wanderführer“, der der Wandergruppe vorausschreitet und sie leitet; aus sportlicher Sicht als „Spieler-Coach“, der, wie etwa bei einer Volleyball-Equipe, selber mitspielt und gleichzeitig die Gruppe sowie gelegentlich auch Einzelspieler betreut; aus unternehmerischer Sicht als „Wander-Manager“, der alle Bestandteile der Wanderung von A bis Z im Griff hat und deshalb die Gesamtverantwortung für das Unternehmen trägt. Folgende Rollen und Aufgaben gehören unabdingbar zu meinem Job:

Die Sicherheit gewährleisten… 

Wenn man eine Wanderung unternimmt, möchte man das dabei Durchgestandene als ein möglichst angenehmes, wenn nicht gar vollkommenes Erlebnis mit nach Hause tragen und in angenehmer Erinnerung behalten können. Es versteht sich von selbst, dass auch du deine Wanderung, ohne Einschränkung, ungetrübt von allen Unbilden erleben willst. In meinem Job lege ich deshalb grösstes Gewicht auf die Sicherheit der Wanderer. Um sie zu gewährleisten, halte ich mich an unsere gute alte Volksweisheit „vorbeugen ist besser als heilen“, und handle gezielt danach.
Für mich heisst das zum Beispiel, dass ich laufend mein Verständnis für, je nach Jahreszeit, gefährdende Naturlagen und Geländeformationen stärke. Es bedeutet, dass ich mir immer wieder neue und solide Kenntnisse über das richtige Verhalten auf der Wanderung aneigne. Dieses mag darin bestehen, die Route der Wanderung so anzupassen, dass diese weder von Lawinen noch von Steinschlag, Erdrutsch oder Überschwemmung beeinträchtigt werden kann.
Ein ebenso wichtiger Sicherheitsbereich betrifft auch die Wanderausrüstung. Du wirst jetzt vielleicht schmunzeln, wenn ich hierzu ausgerechnet Schnürsenkel und Wanderstock als nicht zu übersehende Verursacher von Ungemach erwähne. So der unscheinbare Schuhbändel, welcher, unmerklich zunehmend abgewetzt, im blödsten Moment reisst, dem Fuss den festen Halt verweigert und, beim nächsten Schritt über Stock und Stein, zur bösartigen Verstauchung führt, was manchmal das Ausscheiden des Hinkenden nach sich zieht, jedenfalls ärgerlichen Stress der ganzen Wandergruppe zur Folge hat. Oder der teleskopische Wanderstock, welcher wegen der – durch häufiges Auf und Zu – abgenützten Arretierung dem schwerem Körperdruck plötzlich nachgibt, den ganzen Körper aus dem Gleichgewicht bringt, den überraschten Wanderer kopfvoran ins nächste Geröll stürzen und oft schlimmere Kopfverletzungen erleiden lässt als nur eine Stirnbeule und die unvermeidlich blutüberströmte Nase… 
In all diesen und weiteren Sicherheitsbereichen bemühe ich mich laufend um Topkenntnisse. Ich kann dabei vorteilhaft auf dem bisher Gelernten, auf meinen langjährigen Erfahrungen aufbauen. Dafür investiere ich viel Zeit und Mühe, was sich lohnt und deshalb unabdingbar ist. Nur so ist es mir und der Gruppe möglich, auf der Wanderung heikle Situationen rechtzeitig zu erkennen, sie dank abrufbar bereiten Lösungen zu umgehen, und in der Regel Unfälle mit oft verheerenden Folgen zu verhüten! Übrigens tragen zu dieser laufenden Aktualisierung des Wissens und Könnens eines Wanderleiters natürlich auch die einschlägigen, jährlich obligatorischen Weiterbildungskurse bei. Sie ermöglichen mir, bei der Ausübung meines Beruf als „Wander-Manager“ stets die neusten fachlichen Erkenntnisse praktisch umzusetzen, somit unmittelbar vor Ort zu erproben.

Von meinen Kenntnissen und Erfahrungen profitieren lassen… 

Eine Wanderung ist kein Militärmarsch, bei dem man einfach vorwärtsstampft, geradeaus oder bergauf bergab, stur der Nase nach. Früher konnte man gerade bei Bergwanderungen oft diesen Eindruck bekommen. Der Bergführer, ein eher scheuer Mensch, nicht selten bärbeissig ohne unfreundlich zu sein, beschränkte sich meistens darauf, seine Wandergruppe – mehr Kunden als Teilhaber – zum angepeilten Gipfel hinaufzuführen und ebenso sicher zum Ausgangspunkt zurückzubringen. Kaum mitteilsam, gab er die Geheimnisse seines Jobs nur ausnahmsweise spontan preis. Immerhin, wenn ein Teilnehmer mehr als frische Luft und ein neues Gipfelerlebnis nach Hause tragen wollte, liess der Bergführer, aufgefordert, durchaus einen Blick in sein „Nähkästchen“ werfen, vielleicht sogar kurz darin herumschnuppern…
Die neuere Generation von „Wanderführern“, zu der ich mich zähle, fasst ihren Job gänzlich anders auf. Wir wollen den Teilnehmern nicht nur den ungefährdet begehbaren Pfad zum Ziel aufzeigen. Wir wollen sie auch von unsern weiteren Kenntnissen profitieren, von unsern Berufserfahrungen lernen lassen. Dies gilt zunächst für die praktischen Aspekte des Wanderns.
Mir ist es darüber hinaus auch ein ständiges Anliegen, an meiner Wanderleidenschaft teilhaben zu lassen. Sie ist natürlich nicht über Nacht erwacht, sondern aus unendlich vielen erfreulichen Aufstellern sowie schmerzhaften Dämpfern entstanden, welche mir über die Jahre beim Wandern beschieden worden oder widerfahren sind. Aus dem sich so gebildeten bunten Puzzle kann ich als „Spieler-Coach“ jeden Mitspieler, auf dessen Wunsch und ohne aufdringlich zu werden, das ihn ansprechende Stück Erlebtes vertiefend betrachten lassen. Vielleicht kann er daraus für sich und sein Leben handfeste Lehren, praktische „Gebrauchsanweisungen“ ziehen, vielleicht eher entspannende Erbauung, oder gar Ansporn zu Neuansätzen schöpfen. In solchen Momenten des Austausches bin ich als „Spieler-Coach“, je nachdem, aufmerksamer Zuhörer, eingehender Gesprächspartner, gefragter Berater oder gesuchter Ratgeber. Aus der kollegialen Beziehung, welche zwischen allen Teilhabern am Wanderunternehmen vom Start an besteht, erwächst unterwegs meistens Kameradschaft. Daraus entsteht oft auch eine freundschaftliche Beziehung, welche sich anschliessend als dauerhaft entwickelt. Wenn dies geschieht, dann kann man sich umso mehr an der gegenseitigen Wanderleidenschaft erfreuen!

Vielseitig und abwechslungsreich…

Eigentlich ist mir jede Gelegenheit willkommen, wandernd in die Natur einzutauchen, sei es in hochgelegener, eher gebirgiger Landschaft, sei es in hügeliger Ebene. Insofern kann ich als sogenannter Allrounder eine vielseitige Palette unterschiedlichster Wanderungen anbieten. Dies ist deshalb von spezieller Bedeutung, weil mir viel daran liegt, bei meiner Kundschaft immer wieder für Interessenten verschiedener Altersstufen – von Jugendlichen bis zu „älteren Semestern“ – verfügbar sein zu können, gelegentlich gar für altersmässig zusammengewürfelte Wandergruppen. Die dafür einschlägigen Fähigkeiten habe ich mir bei zahlreichen Arbeitserfahrungen angeeignet, u.a. bei geführten Besichtigungen und thematischen Wanderwochen, sowie anlässlich kultureller Ereignisse.
Ich bin durchaus auch bereit, spezielle Wünsche einer bestimmten Teilnehmergruppe zu berücksichtigen, und in der Lage, soweit praktisch machbar, auf individuelle Vorstellungen der Wanderliebhaber optimal einzugehen. Aus solchen Absprachen mit der interessierten Gruppe sind schon ungewöhnliche, eher unkonventionelle, der jeweiligen Jahreszeit angepasste, abwechslungsreiche Wanderungen hervorgegangen.
Ich gestehe übrigens gerne, dass für meine Wanderleidenschaft der Frühling es dick in sich hat. Man kann dann nämlich, erstmals im Jahr, besonders reizvolle Wanderwochen auch an sonnigen Meeresufern erleben. Vorausgesetzt, die Wanderung finde, beispielsweise, auf der herrlichen Insel Elba statt… Doch der Frühling lockt demgegenüber auch in gebirgiger Gegend wie dem Valposchiavo mit viel Abwechslung: vormittags kannst du, in den kühlen Morgenstunden, auf Skiern einen Gletscher auskundschaften; nachmittags kannst du dann, dank der länger werdenden Tage, die Wanderung in den duftenden Wäldern der neu erwachten Natur fortsetzen.

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